Betrachtung zur Jahreslosung

von stellv. Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf

Liebe Mitchristen in Nieder-Wiesen, Bechenheim und Nack,

Gott will, dass auf Erden Frieden ist. Friede – das bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krieg oder Gewalt. Friede, biblisch „Schalom“, verbindet sich immer mit der Hoffnung auf eine gerechte Welt. Schalom steht für die großartige Aussicht, dass eines Tages alle Menschen gut leben können und der gesamten Schöpfung Frieden geschenkt wird.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ So heißt die Jahreslosung für das neue Jahr 2019. Sie stammt aus Psalm 34, Vers 15 und macht Mut, sich aktiv für den Frieden zu engagieren. Friede möge schon hier und jetzt Wirklichkeit werden. Danach sehnen sich Menschen damals wie heute. Die Aufforderung „Suche Frieden“ weiß, dass Frieden nicht einfach geschieht, sondern dass Menschen für den Frieden arbeiten müssen, zum Beispiel als Vermittlerin in einer Beziehungskrise, als Streitschlichter auf dem Schulhof oder als zivile Friedenskraft in einer der Kriegsregionen der Welt. Friede meint mein persönliches  Umfeld ebenso wie  die gesamte Welt.

Mut zum Umdenken

Friede ist mehr als ein frommer Wunsch. Das mussten auch die Kirchen lernen: weg von der Idee eines angeblich gerechten Krieges hin zum Bild des gerechten Friedens. 1934 machte Dietrich Bonhoeffer, ein bekannter Theologe und späterer Widerstandskämpfer gegen die Nazis, Mut zu solchem Umdenken. Er schrieb: „Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Friede muss gewagt werden, ist das eine große Wagnis, und lässt sich nie und nimmer sichern. Friede ist das Gegenteil von Sicherung.“

Wagnis Friede

Dass Friede ein Wagnis ist – das finde ich spannend. Friede hat immer etwas mit mir zu tun. Mit dem Vertrauen, dass ich nicht schon immer Verteidigungsstrategien bereit liegen habe muss. Sondern anderen Menschen offen begegnen kann. Mit der Hoffnung, dass Verständigung und Versöhnung gelingen. Mit dem Vertrauen, dass wir Menschen Frieden mit uns selbst und mit anderen suchen und finden können.

Frieden schaffen ist möglich. Nicht allein aus Menschenkraft heraus, sondern im Vertrauen, dass Gott Friede schenkt und ihn bei uns ausbreitet.

Ich wünsche Ihnen ein friedvolles Jahr 2019

Ihre

Ulrike Scherf

Stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN

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